Mein letzter Zahnarztbesuch endete nach einer „Vitalitätsprüfung“ des schmerzenden Zahnes  in einer Wurzelbehandlung. Obwohl die Wurzel tot ist, gingen dem Tage teilweise schlimmer Zahnschmerzen voraus. Die Frage, die ich der Zahnärztin stellte, „Warum kann etwas, was eigentlich tot ist, so weh tun?“ beschäftigt mich seit Tagen, weil sie auf so viele andere Bereiche des Lebens umsetzbar ist.

Genau: Warum tut etwas, dem das Leben ausgegangen ist, überhaupt weh? – Warum gehe ich täglich in ein Büro, in eine Firma, in einen Betrieb zu einer Arbeit, die mir keinen Spaß mehr macht, mich frustriert, auslaugt und außer einem mickrigen Gehalt am Lohnzettel nichts bringt?

Warum gebe ich mich weiter mit Menschen ab, die mich ausnutzen, mehr fordern als geben, sich als meine Freunde bezeichnen und diese Freundschaft zu ihren Gunsten leben?

Warum harre ich in einer Beziehung aus, die keine Freude, Zuversicht, Wärme, Lebendigkeit, Nähe mehr zulässt?

Warum ist es so schwierig, sich von solchen belastenden, kränkenden, die Lebensenergie so beeinträchtigenden Umständen zu lösen – obwohl diesen Gegebenheiten das Leben ausgegangen ist ?

Weil es Veränderung bedeutet!

Weil es die Suche nach neuen Rahmenbedingungen mit vielversprechenderen Inhalten bedeutet, von denen ich ja nicht mal weiß, ob der nächste Job besser, die nächste Freundschaft/Beziehung ehrlicher, tragfähiger, befriedigender ist!

Weil es Veränderung bedeutet, Veränderung Angst macht und Veränderung weh tut, oft sehr weh!


Das Gute ist, ich kann einen wesentlichen Teil davon beeinflussen, nach meinem eigenen Ermessen gestalten, Weichen stellen, den Dingen, die mir wichtig sind, die für mich stimmige Richtung geben, mir die Menschen suchen, die mich auf diesem Weg begleiten, unterstützen, fordern und fördern. Der Gegenpol zum Schmerz ist Leichtigkeit, Freude, Kraft, Stärke, unbändige Energie, die frei wird und gelebt werden will! Diesen Balanceakt zu schaffen ist herausfordernd, braucht Ehrlichkeit mit sich selbst und den eigenen Bedürfnissen gegenüber.

In meiner Gestalttherapie-Ausbildung habe ich über Angst folgendes gelernt:

Angst ist Erregung mit zu wenig Sauerstoff! Eine zwar sehr nüchterne, aber im Grunde genommen auch wieder beruhigende Erkenntnis, die mir persönlich in den Situationen, die nach Veränderung drängen, sehr hilfreich ist. Ich habe darauf zu achten, dass ich atme, gleichmäßig atme und dies lässt mich die Gefühle von Kraft, Lebendigkeit, Klarheit und Leichtigkeit intensiv spüren.

Also, lasst uns zu unbekannten Ufern, zu neuen Herausforderungen aufbrechen, Ideen umsetzen und Bedürfnisse leben!


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Fotograf: Skitterphoto