Als ich 8 Jahre alte war, sind meine Eltern und ich aus beruflichen Gründen meins Vaters von Salzburg nach Vorarlberg übersiedelt.0 Mir erschien es damals als großes Abenteuer. Vor allem die Zeit davor, als meine Mutter und ich alleine mit dem VW Käfer hin- und herpendelten, um meinen Vater im neuen Zuhause zu besuchen, bis ich die 2. Klasse abgeschlossen hatte. Damals war man in der Nacht noch wirklich nahezu alleine auf den Strassen unterwegs, von Staus auf der Autobahn keine Rede.

Aus heutiger Sicht war es für mich als Kind ein Schock mit immenser Auswirkung:

Der Verlust meines sozialen Umfeldes, die vielen Kinder, mit denen ich gespielt habe, wir waren eine zusammen geschweißte Gruppe. In der neuen Umgebung kein einziges Kind in meinem Alter, außerhalb des Ortes mit einem Fußweg von gut 30 Minuten in die Schule. Das schlimmste jedoch die Sprache. Obwohl weiterhin in Österreich war es wie im Ausland.

Kinder lernen schnell und – wie gesagt – damals empfand ich es als nicht so schlimm. Damals fing ich an, mir beim Einschlafen Geschichten auszumalen und die waren wirklich abenteuerlich, richtig lebensfremd, aber sie hatten mit mir zu tun und ich war der Mittelpunkt.

Als Psychologin sehe ich diese Phantasiegeschichten als meine damalige Überlebensstrategie, um mit meinem Leben, das ohne meine Zustimmung komplett auf den Kopf gestellt wurde und einer Entwurzelung gleichkam, zurecht zu kommen. Das Gute daran ist, meine blühende Phantasie habe ich mir erhalten! Heute sind es Ideen, Einfälle, die in meinem Kopf herumschwirren, umgesetzt werden wollen und auf jeden Fall – noch in diesem Leben!

Pension, Rente bedeutet für viele sich zur Ruhe setzen. Für mich ist dieser neue „Status“ noch völlig unbegreiflich, unwirklich, erkennbar an einer Summe auf meinem Konto, die sich „Pensionszahlung“ (!) nennt.

Ich bin seit 1988 selbständig mit eigener Praxis, ich habe viel gearbeitet, teilweise 3 Standbeine parallel gehabt und im großen und Ganzen kann ich sagen, überwiegend das gearbeitet zu haben, was auch Spaß gemacht hat. Ich denke keine Sekunde ans Aufhören und womit genau aufhören? Mit der Arbeit? (Die macht mir ja Spaß!) Mit Dingen, die mir gut tun? (Ich will weiterhin auf Urlaub fahren,mir eine Auszeit gönnen dürfen!) Ich will mir weiterhin die Dinge, die mir wichtig sind, die mir gut tun, die Abwechslung in mein Leben bringen, LEISTEN DÜRFEN, ohne jedoch die finanziellen Einschränkungen, die ein reduziertes Einkommen mit sich bringen, in Kauf zu nehmen.

Vor gut 2 Jahren habe ich eine Möglichkeit gefunden, die mich meinen Zielen näher bringt und mir immer mehr ermöglicht, meine Ideen zu verwirklichen, auch wenn sie vielleicht auf den ersten Blick zu groß erscheinen, nicht umsetzbar – und es trotzdem wagen.

Meine kindlichen Phantasiegeschichten hatten meistens mit Mut zu tun und Mut beginnt im Kopf. Wenn Du es Dir vorstellen kannst, bist Du Deinem Ziel schon einen Schritt näher.

Und ich will in Bewegung bleiben, unabhängig von meinem Alter, von meinem neuen Lebensabschnitt Pension.

Ich will meinen Ideen folgen und ich will andere dafür begeistern, sich zu trauen, mutig zu sein!


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Fotograf: 3dman_eu